Zu Gast an der Theologischen Fakultät in Warschau
Polen ist immer eine Reise wert: Unter diesem Motto fuhren vom 27. bis 30. Mai 2010 fünfzehn Studierende des Wichern-Kollegs mit Jutta Böhnemann-Hierse und Ingo Moy nach Warschau. Die Schwestern- und Brüderschaft des Evangelischen Johannesstifts hat seit über 10 Jahren eine Partnerschaft mit der Diakonie der Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen. Seit dieser Zeit besuchen immer wieder Studierende der Theologischen Fakultät das Johannesstift. Die Idee eines Gegenbesuchs wuchs auf dem Schwestern- und Brüdertag 2009 in den Gesprächen zwischen den Studierenden aus Warschau und Berlin. 
Nach unserer Ankunft im Gästehaus auf dem Campus der Theologischen Hochschule im Zentrum von Warschau empfing uns Wanda Falk, die Generaldirektorin der Diakonie in Polen. Sie erläuterte uns die Arbeit der Diakonie und die Besonderheiten der Evangelisch-Augsburgischen Kirche, deren Mitglieder eine Minderheit in dem katholisch geprägten Polen sind. Am Abend wurden wir dann von den Studenten der Akademie und Prof. Dr. Mlerski, zur Zeit Direktor und zuständig für die theologische Ausbildung, begrüßt. Die Ausbildung in der evangelische Kirche in Polen ist grundsätzlich anders strukturiert als in Deutschland. Es können nur Männer in das Pfarramt ordiniert werden und den eigenständigen Beruf "Diakon/Diakonin" gibt es in der Evangelisch-Augsburgischen Kirche nicht. Theologiestudentinnen arbeiten daher nach dem Studium als Gemeindehelferinnen, Religionspädagoginnen oder "Diakoninnen" im Sinne einer nichtordinierten Theologin. Am Freitag stiegen wir in den Thementag zur Frage "Wie erleben wir Kirche und Glauben?" ein und diskutierten unter anderem über die Visionen der christlichen Kirche und unsere christlichen Werte. Trotz der unterschiedlichen Voraussetzungen (Minderheitenkirche und Volkskirche, unterschiedliche Ausbildungsstruktur) gab es doch Übereinstimmungen in unserem Bild von einer Kirche im Jahr 2030. So wird sich Kirche anders als heute finanzieren müssen und die Mitgliederzahlen werden stärker als heute schwanken. Einig waren wir uns, dass die Kirche von morgen mehr den Menschen im Blick haben sollte. Das bedeutet auch eine Stärkung von Diakonie in der Kirche. Und Kirche muss mehr in größeren Zusammenhängen denken und erlebbar sein. Ein gutes Beispiel sind hierfür die Kirchentage.

Am Samstag genossen wir das herrliche Ambiente der nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs komplett wiederaufgebauten Altstadt und hatten den folgenden Nachmittag zur eigenen Erkundung offen. Einige gingen auf Geocashing-Tour (einer Art Schnitzeljagd für große Jungs), andere taten sich müßig an der traditionellen polnischen Küche und wieder andere schlenderten und sonnten sich bei sommerlicher Temperatur. Den letzten Abend ließen wir in einem Brauhaus ausklingen und stimmten abends beim Grand-Prix für unsere Lena.
Anna Diesing und Lukas Kruse (derzeit in der Fachausbildung), Fotos: Ina Martschewski (Hauptstudium)
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